Ich muss gestehen, John Green ist nicht unter meinen Lieblingsautoren. Er gehört zwar eindeutig zu den erfolgreichsten Schriftstellern unserer Zeit, ist ein wunderbarer, hart arbeitender Mensch und großartiges Vorbild für unsere jüngere Generation. Aber genau hier liegt auch der Haken: John Green und seine Arbeit richten sich in erster Linie an Heranwachsende, und ich mit-nun-doch-schon-bald-Mitte-zwanzig liege schlichtweg nicht im Kern seiner Zielgruppe.
Das heißt nicht, dass ich die Lektüre seiner Bücher nicht genieße, ganz im Gegenteil. Ich weiß auch ziemlich sicher, dass ich alles, was er tut, geradezu gefressen hätte, wenn der Höhepunkt seines Erfolgs nicht in den vergangenen zwei Jahren gekommen wäre, sondern vor vielleicht sieben. Aber so bestaune ich seine Werke mit der Distanz, die diese sieben Jahre mir geschenkt haben, und bewundere aus der Ferne. Genauso auch bei Paper Towns, oder, so der deutsche Titel, Margos Spuren.
Paper Towns erzählt die Geschichte von Quentin, der seit früher Kindheit in seine Nachbarin Margo verliebt ist. Allerdings haben sie nicht viel miteinander zu tun - bis sie eines Nachts vor seinem Fenster auftaucht und ihn auf einen nächtlichen Feldzug mitnimmt. Am nächsten Tag erscheint Margo nicht zur Schule. Das ist nicht ungewöhnlich, sie ist schon öfter für einige Tage verschwunden - aber bald wird deutlich, dass diesmal alles anders ist. Doch Margo hat Quentin Hinweise hinterlassen, die ihm dabei helfen könnten, sie zu finden.
John Green hat eine ganz eigene Art, Teenager zu schreiben. Authentisch - und doch reflektierter, als ich es als Teenager war. Quentin sowie seine besten Freunde Ben und Radar wachsen dem Leser ziemlich schnell ans Herz, jedoch nicht, ohne sich untypisch für ihr Alter zu verhalten. Sie sind großmütig, unsicher, impulsiv, internetsüchtig, sie verlieben sich, sie trinken, sie sammeln Erfahrungen. Green bedient sich zeitweilig sehr großzügig an der Klischeekiste, aber anderes darf man bei einem Jugendbuch wohl nicht erwarten. (Und unterhaltsam ist es zudem auch noch.)
Die Geschichte entwickelt sich verhältnismäßig langsam und mit wenigen Höhepunkten, zieht jedoch trotzdem in den Bann. Im John Green-typischen Stil werden simple Alltagssituationen kunstvoll mit gut reflektierten, tiefgehenden Auseinandersetzungen verflochten, die Fragen in den Mittelpunkt stellen, denen sich Jugendliche stellen müssen: wer bin ich? Wie kann ich andere sehen? Kann ich andere wirklich sehen? Und natürlich die alles dominierende Frage: wer ist Margo Roth Spiegelman wirklich?
(Ich habe dieses Buch im Rahmen meiner Reading Challenge für dieses Jahr gelesen. Die Übersicht über alle Bücher dieser Herausforderung findet ihr hier.)

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen