"Hat irgendjemand von euch eine englische Version des Buchs dabei? Jemand hat sein Buch nämlich vergessen. Dieser Jemand bin ich."
Bei Name of the Wind gibt es sieben Worte, die es benötigt, eine Frau dazu zu bringen, sich
zu verlieben. Patrick Rothfuss benötigte neun. Es waren die ersten, die
er bei seiner Lesung auf der Leipziger Buchmesse an seine Zuschauer richtete.
Patrick Rothfuss tourt durch Deutschland und - Moment, begann nicht vor nur einer Woche ein ähnlicher Eintrag ganz genau so? Gut beobachtet. Ich konnte tatsächlich zwei meiner Lieblingsautoren innerhalb einer einzigen Woche treffen und mir ihre Bücher signieren lassen. Die Erkenntnis der Lesung mit Patrick Rothfuss: Autor sein bedeutet nicht automatisch, seine eigenen Bücher zu Lesungen mitzubringen.
Bei gleich drei Veranstaltungen präsentierte sich der Autor aus Wisconsin an diesem Wochenende in Leipzig, darunter Signierstunden, Lesungen und Fragerunden. Mein persönlicher Höhepunkt war die Lesung in der Peterskirche, die allein durch die spirituelle Atmosphäre punkten konnte. Hier ein paar kleinere Offenbarungen und Erkenntnisse, die die Veranstaltungen für mich besonders machten:
- Niemand weiß, wann Buch 3 erscheinen wird (ich sollte es wohl doch von meiner Leseliste für dieses Jahr streichen).
- Für das Kreieren und Beschreiben eigener Welten empfahl der Autor, sich an den Dingen zu orientieren, die man liebt. Tolkien liebte Sprachen, das prägte seine Bücher. Rothfuss liebt Soziologie, Währungen, Psychologie usw. - und wir erleben im Detail, wie Kvothe sich um sein Geld sorgt.
- Rothfuss erklärte, dass er vermisst, allein zu schreiben. Er verglich den Schreibprozess an Buch 3 damit, von vier Millionen Menschen beim Pinkeln beobachtet zu werden.
- Auch in Buch 3 werden wir Auri begegnen.
- Wo wir schon bei Buch 3 sind: wir sollten uns darauf einstellen, dass unsere Herzen zerbrechen werden. In viele, kleine Scherben.
- Das Gespräch drehte sich für eine Weile um das Schreiben weiblicher Charaktere, was im Fantasy-Genre für viele Autoren Neuland ist. Auri selbst ist allerdings ein positives Beispiel für einen Fall, in dem ein männlicher Autor aus der Perspektive eines weiblichen Charakters schreibt. Rothfuss: "Es gibt diese schlechte Szene, die in fast jedem Fantasy-Buch vorkommt, in dem ein Mann einen weiblichen Charakter schreibt. In diesen Szenen steht der weibliche Charakter relativ am Anfang der Geschichte vor dem Spiegel und betrachtet ihren nackten Körper, insbesondere ihre Brüste. Und wir wissen doch alle, dass Frauen das ständig tun, nicht wahr?"
- Über das Beschreiben der Äußerlichkeiten von Charakteren: jeder liebt Fela. Fela ist wunderschön. Jeder liebt sie. Sie hat lange dunkle Haare und - ja, was eigentlich? Rothfuss: "Ich liebe es, Dinge sorgsam, aber nicht genau zu beschreiben." Indem er Fela nur als schön beschreibt, aber nahezu keine weiteren Details gibt, "erledigen wir einen großen Teil seiner Arbeit für ihn."
Auch bei Herrn Rothfuss bestand selbstverständlich die Furcht, dass mein konstruiertes Bild von ihm nicht mit dem übereinstimmen könnte, das sich mir in der Realität darböte. Ich wusste nur: kleiner, rundlicher Mann mit viel Bart und einem wachen Verstand. Dieses Bild hat sich bestätigt, und noch dazu durfte ich erleben, dass dieser kleine, bärtige Mann sehr charismatisch und auch fern von Tinte und Feder ein großartiger Geschichtenerzähler ist.


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