Jedes Mal, wenn ich meinen Browser aufmache, kommt als Erstes der Klick in den neuen Tab, um Facebook einen Besuch abzustatten - und ich mache, da ich Studentin bin und somit viel am Computer arbeite, meinen Browser sehr häufig auf.
Heute ist Tag 4 in meiner selbst auferlegten Facebook-Abstinenz, und irgendwie wurde mir erst in den letzten drei Tagen wirklich bewusst, wie selbstverständlich sich das Netzwerk in meinen Alltag und meine Gewohnheiten eingeschlichen hat. Warum Facebook-Abstinenz, fragen Sie sich?
Weil mich mein eigener ständiger Gebrauch von Mark Zuckerbergs großartiger Erfindung am Ende so sehr nervte, dass ich entschieden habe, für die Prüfungszeit meine darüber laufenden sozialen Kontakte auf Eis zu legen und mich nur noch auf E-Mail- und Handy-Kommunikation zu beschränken. Und natürlich der guten, alten Face-to-Face-Kommunikation. Funktioniert auch ganz gut soweit, wenn man vielleicht mal davon absieht, dass ich heute bereits Tag vier habe und immer noch nicht daran gewöhnt bin, dass es Facebook für mich momentan nicht gibt.
Eine Freundin, die dasselbe "Experiment" zugunsten ihrer Prüfungsnoten gestartet hat, äußerte die Angst, "irgendwas zu verpassen", während sie nicht zu Facebook kann. Klar, bei unserem über halb Deutschland verteilten Freundeskreis spielen sich viele Dinge eben online und, weil es eben naheliegend ist, über Facebook ab, das ist ganz natürlich. Obwohl, nein, nicht natürlich. Traurig wäre hier wohl das passende Wort. Einer meiner Liebingsaussprüche ist es, dass ich mich schon längst von Facebook abgemeldet hätte - gäbe es den sozialen Druck nicht.
Ich meine, ich vertraue dieser Seite nicht, kein bisschen. Selbst bei dem Wenigen, das ich dort über mich preisgebe, habe ich immer noch das Gefühl, es ist zu viel, und die neuesten Entwicklungen geben mir auch nicht gerade Gewissheit, dass ein Trend zum Positiven besteht. Eine Versicherung, die alten Nutzungsbedingungen wieder einzuführen, wenn sich 30% der Nutzer an einer Umfrage beteiligen? Ich bin jeden Tag dort unterwegs, mit offenen Augen, und eine Anzeige, die wie von Pressesprechern behauptet auf die Umfrage aufmerksam machen sollte, fiel mir nirgendwo ins Auge. Seit Neuestem dürfen Betreiber von sogenannten "Seiten" bei Facebook auch noch dafür zahlen, dass ihre Posts tatsächlich bei allen Abonnenten auf der Startseite landen. Klar, wer das Netzwerk für kommerzielle Zwecke nutzt, kann ruhig dafür blechen. Aber angeschmiert sind natürlich auch hier wieder die "Kleinen": unbekanntere und finanziell weniger erfolgreiche Bands beispielsweise. Mein Medienpädagogik-Professor hat in so einigen seiner Vorlesungen Freude daran gehabt, implizit über unsere Dummheit herzuziehen, weil wir alle unsere Daten diesem Monsterkonzern so bereitwillig zur Verfügung stellen. Recht hat er ja.
Dies ist nur ein sehr kleiner Teil der Gründe, warum sich eigentlich jeder von Facebook fernhalten sollte, aber - und ja, da ist es schon. Das Aber. Der alles entscheidende Punkt.
Der Grund, warum auch nach drei Tagen immer noch dieser Reflex da ist, während einer kleinen Schreibpause, wenn ich mal gerade nicht weiter weiß, Facebook aufzumachen und mal kurz zu schauen, was es so Neues gibt - obwohl ich bereits weiß, dass es nichts gibt, das ich aus dem News-Feed meiner Freunde ziehen könnte und das mir das Gefühl gäbe, meine Zeit nicht vergeudet zu haben.
Bisher habe ich noch nicht gespürt, dass sich durch die Facebook-Abstinenz für mich Lücken im Zeitplan ergeben haben, dass ich mehr Zeit für andere Dinge habe. Wird auch eher schwer sein, denn normalerweise nutze ich das Netzwerk eher "nebenbei", also während ich gerade an anderen Dingen arbeite. Jetzt lassen sich natürlich Vermutungen anstellen: werde ich innerhalb dieses einen Monats an mir beobachten, dass Qualität und Effizienz meiner Arbeit zunehmen, wenn ich mich nicht immerzu durch Facebook ablenke? Werde ich bemerken, wie ich konzentrierter bei der Sache bin? Werden sich meine sozialen Kontakte weiter ausdifferenzieren, weil ich mit einigen außer über Facebook überhaupt keinen Kontakt habe?
Die Antwort auf diese Fragen kann ich bereits jetzt geben: nein.
Jede dieser Vermutungen misst dem Netzwerk Facebook eine viel zu bedeutende Rolle bei. Und auch, wenn man argumentiert, dass die Länge dieses Texts die Rolle nicht unbedingt geringer aussehen lässt, so vertrete ich doch die Ansicht, dass Facebook im Grunde in meinem Alltag nichts weiter ist als eine lästige Angewohnheit, die ich gern loswerden würde, wozu ich mich allerdings auch nicht ganz durchringen kann. Aber wer weiß: vielleicht ist das ja der Effekt, den dieser eine Monat auf mich haben wird?


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